Interview in THE SPOT MEDIA

Photo: Lars Hübner

Yoko Higuchi-Zitzmann zu Dreamkite Studios & KI: „Stehen für hochqualitativen Premium-Content”

Die Medienmanagerin Yoko Higuchi-Zitzmann, die bei Telepool oder Pantaleon Films leitende Funktionen innehatte, startet mit Co-Founder Mark Wachholz die KI-Produktionsfirma Dreamkite Studios. Bei der MediaTech Hub Conference sprachen wir mit ihr über die Vision.

Sie hatten im Frühjahr Ihr KI-Produktionsstudio angekündigt. Inzwischen gibt es mit Dreamkite Studios einen Namen, Personal und erste Projekte. Was muss man noch zum Launch wissen?

Yoko Higuchi-Zitzmann: Wir haben jetzt bei der MediaTech Hub Conference am Mittwoch einen Full AI Trailer von unserem Sci-Fi-Filmprojekt „The Wind Before the Name” von Filmmaker und Autor Mark Wachholz, unserem Chief Creative Director & Co-Founder gezeigt, was wir gerade entwickeln. Es gab auch eine kleine Weltpremiere von unserem Launch-Trailer zur Gründung. Ich komme aus dem traditionellen Filmgeschäft. Da wäre ein solches Sci-Fi- oder Fantasy-Projekt wie „The Wind Before the Name” fast unmöglich gewesen, aus Europa heraus zu finanzieren. Man kann solch ein Projekt auch als Hybrid mit echten Darstellern machen. Auch im Fall von Hybrid wären die Kosten eines Science-Fiction-Films deutlich niedriger als in der traditionellen Produktion.


Von was für einem Budget sprechen wir dann bei einem Projekt wie „The Wind Before the Name”?

Yoko Higuchi-Zitzmann: Wir sprechen im Schnitt von 10 bis 30 Prozent der klassischen Produktionskosten. Unter Umständen kann man ein Projekt, was in der alten Welt 100 Millionen Euro gekostet hätte, heute mit Generative AI für zehn bis 20 Millionen Euro machen. Das hängt aber davon ab, wie technisch aufwendig solch eine Produktion ist, ob Schauspieler dabei sind und ob es ein Hybrid ist, bei dem es auch ein klassisches Filmteam mit Regisseur gibt. Aber auch das ist wesentlich kostengünstiger, weil man nicht nach Neuseeland oder in die Dolomiten reisen muss, um zu drehen.


Ist denn dieses Sci-Fi-Projekt, dessen Trailer wir im Rotor Film Kino bei der MTH Conference sahen, für die Kinoleinwand gedacht?

Yoko Higuchi-Zitzmann: Das können wir noch nicht sagen. Es gibt noch keinen AI-Kinofilm, zumindest keinen der unseren Qualitätsvorstellungen entspricht. Wahrscheinlich werden schon mit AI gemachte Dinge im Kino gezeigt, die aber für mich noch lange kein AI-Kinofilm sind. Ein Kinofilm definiert sich für mich auch über ein professionelles Distributionsmodell und über Zuschauer. Was es aktuell auf dem Markt an längeren AI-Projekte gibt, will noch keiner im Kino sehen. Wir sprechen von der Zukunft. Aber wir müssen uns diese Zukunft auch bauen. Dafür braucht es neue Produktionsstudios wie Dreamkite, mit denen es in sechs oder zwölf Monaten so weit sein kann. Wir wollen das mit den besten Autoren, KI-Filmemachern und -Storytellern und dem passenden Distributionszugang gemeinsam umsetzen. Dafür steht unsere Gründung. Wir werden auch Projekte wie Kurzfilme oder animierte YouTube-Serien machen, die wir sofort distribuieren können. Aber wenn wir einen richtigen Kinofilm in naher oder ferner Zukunft machen wollen, müssen wir jetzt anfangen: Stoffe entwickeln, Trailer produzieren und mit Vertriebspartnern zu sprechen.


Wie finanziert man solch ein neues AI-Produktionsstudio?

Yoko Higuchi-Zitzmann: Unsere Gründung finanziert sich über Family Offices und Investoren, die nicht aus dem klassischen Filmbereich kommen, sondern Private-Equity-Firmen sind. Wir fühlen uns geehrt, dass wir bei der MediaTech Hub Conference in Studio Babelsberg, in der Wiege des Films, wo vor 100 Jahren „Metropolis” gedreht wurde, unseren ersten großen Aufschlag hatten. Übrigens auch ein Film, der damals mit seiner Technik für Furore sorgte. Damals waren die Sets zwar aus Holz, aber es sah wie eine epische Zukunftsvision aus. Es war etwas komplett Neues, was die Menschen begeisterte. Ich finde es wichtig, im europäischen Storytelling-Bereich verwurzelt zu sein.

Warum heißt die Firma Dreamkite Studios?   

Yoko Higuchi-Zitzmann: Unser Chief Creative Director und Co-Founder Mark Wachholz Schlug mehrere Namen vor. Ich war gerade in der Toskana und schaut mir die verschiedenen Ideen von Mark für ein operatives KI-Studio an. Dann ließ tatsächlich meine zehnjährige Tochter einen Drachen am Meer steigen. Und ich dachte mir unter Marks Vorschlägen: Dreamkite wird unser Studio heißen. Das klingt groß und visionär. Das muss man auch sein, wenn man etwas Neues beginnt. Als jemand, die aus dem traditionellen Filmgeschäft kommt, sehe ich eine disruptive Branche mit sehr großem Wachstumspotential, wir haben herausragende Talents in Europa und müssen uns vor USA und China nicht verstecken, im Gegenteil.


Wie ist überhaupt ihre Verbindung zur KI-Branche in Zusammenhang mit Film?

Yoko Higuchi-Zitzmann: Ich bin seit zwei Jahren sehr intensiv in der KI-Branche unterwegs und sehe mich als Brückenbauer zwischen den Branchen KI und Film. Unter anderem habe ich im vergangenen April zusammen mit Medien.Bayern die AI & Medien Konferenz der Medientage München co-gehostet und co-kuratiert, was über 300 globale AI Vordenker und Filmmaker nach München gebracht hat. Inzwischen bin ich sehr gut vernetzt und kenne viele Creative Technologists und AI Filmmaker. Das sind völlig neue Berufszweige, die gerade entstehen. Auch die Ausbildung für diese neuen Berufszweige unterstütze ich durch eine intensive Zusammenarbeit mit der HFF und der BAF – die HFF in München hat mittlerweile einen ersten Master Studiengang für AI Storytelling eingeführt und bei der BAF startet in Oktober ein berufsbegleitender Kurs für AI Production.


Wie haben Sie und Mark Wachholz sich auf kreativer Ebene gefunden?

Yoko Higuchi-Zitzmann: Es gibt schon zahlreiche gute Kreative in Europa, aber Mark Wachholz ist eine Liga für sich, da er global als einer der besten Storyteller anerkannt ist. Er besitzt eine starke eigene Handschrift. Früher war er Drehbuchautor, schrieb auch drei Fantasy-Romane. Mittlerweile hat er sämtliche bedeutende AI Film Preise auf globaler Ebene gewonnen und gehört in seiner Generation weltweit zu den anerkanntesten und erfolgreichsten AI Filmmakern. Zu seinen Unterstützern gehören internationale Heavyweights wie Alex Proyas („Dark City“), John Gaeta („The Matrix“) und George Miller („Mad Max“). Dies zieht natürlich weitere erstklassige europäische Top-Talents zum Dreamkite Studios für eine kreative Zusammenarbeit, was mich sehr freut.


Gibt es eigene IPs, mit denen Sie bei den ersten Projekten arbeiten können?

Yoko Higuchi-Zitzmann: Die haben wir. Wir werden bald eine großen Kinder-Bestseller bekannt geben, den wir als KI-Animationsserie realisieren werden. Das ist ein Short-Form-Format für Kinder, was wir produzieren werden. Dann schauen wir, wo wir die Serie auswerten werden. Das Ziel muss es als Produktionsfirma sein, vor allem richtig gute Inhalte auf die Straße zu bringen, die vom Publikum geliebt werden. Wenn ein zehnjähriges Kind eine Animationsserie schaut, die auf einem Buch basiert, was es kennt, dann wird das Kind nicht fragen, ob die Animationen am Computer oder mit einem Zeichenblock entstanden sind. Kinder schauen ein klassisches gemaltes Hayao-Miyazaki-Meisterwerk, dann schauen sie einen animierten Film wie „Toy Story 5”, der komplett am Computer entsteht. Beides finden die Kinder toll, weil die Geschichten emotional und lustig sind.

Es gibt ein gewisse Goldgräberstimmung. Auch große Produktionshäuser haben jetzt alle KI-Abteilungen und schaffen neue Posten.

Yoko Higuchi-Zitzmann: Ich finde es generell gut, dass es jetzt so viele Neugründungen zusätzlich zur traditionellen Branche gibt, die ich weiter stark unterstütze, weil es ein zusätzliches Wachstumsfeld aufbaut. Dafür braucht es mehrere Player. Wenn wir die einzigen wären, würde etwas nicht stimmen. Ich stehe auch mit den anderen Start-ups im engen und freundschaftlichen Kontakt.

An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell schon konkret?

Yoko Higuchi-Zitzmann: Aktuell arbeiten wir neben der Kinder-Animationsserie daran, mit einer weltweit führenden Computerspiele-Firma zwei Games für eine AI-Verfilmung weiterzuentwickeln. Das wären Genres, die sich sehr für KI-Verfilmungen eignen würden. Ich selbst bin großer Fan von klassischen Filmen. Eine RomCom mit einer wunderbaren echten Schauspielerin will – aus meiner Sicht – niemand als KI-Version sehen. Da braucht es echte Schauspieler. Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, dass die KI alles ersetzen wird. Aber eine abgefahrene Fantasy-Welt, die es so in der Realität nicht gibt, kann man heute mit KI schon unglaublich cool abbilden. Die Welt ist per se schon künstlicher. Die Akzeptanz für KI ist dabei höher.

Prime Video, Netflix oder Apple TV produzierten früher viel stärker Fantasy- und Sci-Fi-Serien. Inzwischen werden diese Produktionen auffallend zurückgefahren, weil sie kostspielig sind und sich nicht amortisieren. Könnte das eine Lücke für KI-Firmen sein?  

Yoko Higuchi-Zitzmann: Absolut. Als KI-Produktionsstudio können wir schneller und günstiger produzieren. Letztlich kommt es aber immer auf die Qualität an. Die Zuschauer haben immer Recht. Denen ist egal, ob das Produkt schneller und günstiger produziert wurde. Es geht um werthaltige Inhalte. Dreamkite Studios ist ein Premium-Studio. Wir wollen keine Massenproduktion. Wir stehen für hochqualitativen Premium-Content. Dabei spielt die menschliche Kreativität eine riesengroße Rolle. Ohne richtig gute Storyteller bekommt man auch mit KI kein Premium-Projekt umgesetzt. Verantwortung ist uns wichtig genauso wie der Anspruch, geschmackvolle und wertvolle Geschichten zu erzählen. Wir müssen mutig sein und Projekte machen, die technologisch auf höchstem Niveau sind.

Haben Sie schon mit traditionellen Partnern wie TV-Sendern oder Streamingdienste über die eigenen Projekte gesprochen?   

Yoko Higuchi-Zitzmann: Meine Erfahrung ist, dass sich bei Sendern und Streamern die Tür immer mehr öffnet. Wir erhalten extrem positive Signale. Deswegen ist jetzt ein guter Zeitpunkt, mit solchen KI-Produktionen zu starten. Urheberrechtsschutz und Ethik spielt dabei eine große Rolle. Deswegen machen wir auch verantwortungsvolle KI.

Das Interview führte Michael Müller

Weiter
Weiter

Yoko & Mark Open Panel at MTHCON26